Fr. 05.10: Podiumsdiskussion – Israels neue Nachbarn?

Freitag, 5.​10.​2012, 20 Uhr
Vorderhaus der FABRIK
Habsburgerstr. 9

Die Re­bel­lio­nen im ara­bi­schen Raum dau­ern an, ihren früh­lings­haf­ten Char­me haben sie je­doch längst ver­lo­ren. In den Län­dern, die sie zu­erst er­fass­ten, wie Tu­ne­si­en und Ägyp­ten, las­sen sich schon die Kon­tu­ren neuer Macht­ver­hält­nis­se er­ah­nen. In Syrien tobt aktuell ein mörderischer und schwer zu durchschauender Konflikt mit offenem Ausgang. Ob Hoff­nun­gen auf einen ge­sell­schaft­li­chen Fort­schritt gerechtfertigt sind, das ist nun eine ent­schei­den­de Frage.

Das Ver­hält­nis der betreffenden Staaten zum jü­di­schen Staat Is­ra­el, der sich völ­lig zu Recht als Ga­rant der ver­nünf­tigs­ten Ge­sell­schaft im Nahen Osten und als Schutz­macht aller ver­folg­ten Juden be­greift, ist dabei ein ent­schei­den­der Grad­mes­ser. Die Er­fah­rung zeigt, dass der Hass auf Is­ra­el und der Hass auf den re­la­ti­ven Fort­schritt und die re­la­ti­ve Frei­heit, die west­li­che De­mo­kra­ti­en er­rei­chen konn­ten, eng mit­ein­an­der zu­sam­men­hän­gen. Schon al­lein des­we­gen ist So­li­da­ri­tät mit Is­ra­el drin­gend ge­bo­ten und eine zen­tra­le Frage lau­tet: Be­kommt Is­ra­el neue ko­ope­ra­ti­ve Nach­barn oder neue Fein­de? (mehr…)

Sa., 06. Okt.: Workshop – Sekundärer Antisemitismus

Samstag, 6.​10.​2012, 16 Uhr
Forst-​Uni, Ten­nen­ba­cher Str. 4

Der Workshop „Sekundärer Antisemitismus: Antisemitismus trotz und wegen Auschwitz“ wird einen Überblick der verwirrenden Welt der AntisemitInnen bieten und ihre gängigen Topoi und Begriffshülsen dechiffrieren. Ein Inputreferat wird kurz skizzieren, was den Antisemitismus kennzeichnet und wie seine Genese vonstatten ging, wie er sich vom historischen Antijudaismus und Rassismus abgrenzt und welche psychischen Verbiegungen im postnazistischen Deutschland vollzogen werden müssen, um nach Auschwitz noch ein ehrbarer Antisemit (Améry) sein zu können. Anhand von Karikaturen, aktuellen Texten und Fotos wollen wir im Anschluss das Gehörte anwenden und diskutieren. (mehr…)

Sa. 06.10: Keine Bühne gegen Israel?

Sams­tag, 6.​10.​2012, 20 Uhr
Goldene Krone
Kronenstraße Ecke Mattenstraße

Man könnte den Antisemitismus als eine Tendenz bezeichnen, die Logik und Geschichte der modernen Vergesellschaftung im doppelten Sinne des Wortes entsprungen ist. Weil er sich als rationalisierter Wahn dem Zugriff der Vernunft entzieht, richten weder Argumente noch Appelle etwas gegen ihn aus. Ein politisches Projekt, das Antisemitismus und Antizionismus praktisch entgegentreten will, kann seinem Anspruch deshalb niemals gerecht werden: Es wird keine Mittel finden, um seine Zwecke zu erreichen.
Jan Singer beschreibt am Beispiel einer Kampagne gegen den antizionistischen Musiker Gilad Atzmon in Göttingen, wie und warum gutgemeinte politische Interventionen gegen den Antisemitismus scheitern – und er zeigt, warum sich die Verteidiger der Kritischen Theorie in der Debatte um Judith Butler und den Adorno-Preis besser zurückgehalten hätten. Ein Plädoyer für die Kritik und gegen das Engagement.

So., 07. Okt.: Film »Die vergessenen Flüchtlinge«

mit einem Vortrag von Tilman Tarach

Sonntag, 7.10.2012, 16 Uhr
Theater der Immoralisten, Ferdinand-Weiß-Str. 9

Flüchtlinge im Nahen Osten? Wer denkt dabei nicht an die Palästinenser? Doch während deren Schicksal weltweit beklagt wird, gibt es auch andere Flüchtlinge in der Region, von denen die meisten noch nie etwas gehört haben: Seit jeher existierten im Nahen Osten und in Nordafrika jüdische Gemeinden; etwa eine Million Juden lebten noch in den 1940er Jahren in den arabischen Staaten. Heute sind es nur noch ein paar Tausend, denn nach andauernden Diskriminierungen, Enteignungen, antisemitischer Hetze und Pogromen im Zuge des aufkommenden arabischen Nationalismus waren die Juden in großer Zahl gezwungen, aus ihren arabischen Heimatstaaten zu fliehen. Das Land, das die meisten dieser Flüchtlinge aufgenommen und integriert hat, heißt Israel. Der Film »Die vergessenen Flüchtlinge« von Michael Grynszpan zeigt Geschichte, Kultur und erzwungenen Auszug nahöstlicher und nordafrikanischer jüdischer Gemeinden in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Jüdische Flüchtlinge aus Ägypten, dem Jemen, aus Libyen, dem Irak und aus Marokko erzählen ihre Geschichten. Diese werden durch Archivmaterial von Rettungseinsätzen, durch historische Fotos von Auswanderung und Wiederansiedelung sowie Analysen von zeitgenössischen Wissenschaftlern ergänzt. Der Film, der von »The David Project« und IsraTV produziert wurde, wird in der deutschen Fassung, zum Teil in Englisch mit deutschen Untertiteln gezeigt. Nach einem kurzen Vortrag von Tilman Tarach (Autor des Israel-Buches »Der ewige Sündenbock«) zur aktuellen Bedeutung des Themas besteht die Möglichkeit zur Diskussion.

Schlafplatzbörse

Bald ist es soweit. Wenn ihr zu den Thementagen nach Freiburg kommen wollt und nicht wisst, wo ihr unterkommen sollt, könnt ihr eine Email an thementage (ät) riseup.net schreiben und wir versuchen euch zu vermitteln.
Das Gleiche gilt übrigens für unsere Unterstützer_innen in Freiburg. Meldet euch bitte bei oben genannter Adresse, falls ihr Schlafplätze zur Verfügung stellen könnt.

Werbematerial

Wer außerhalb von Freiburg Werbung für die Thementage machen möchte, kann uns per Email seine Adresse zukommen lassen und erhält dann in den nächsten Tagen Plakate und Aufkleber.

thementage [at] riseup.net

Programm 2012

Eine erste grobe Terminübersicht ist online. Diese wird in den kommenden Tagen ergänzt werden.

Programm 2012

Occupy Dancefloor

OCCUPY DANCEFLOOR
Bass4Ca$h-Electro-Party

Freitags steigen die besten Partys und das hoffen wir doch auch für unsere, zumal wir euch ein wirklich feines Line-Up zusammengestellt haben:

Im kleinen Raum eröffnet Tathandlung aus Landau mit einem elektronischen Live-Set: Er kombiniert krachige C64-Sounds und Sprachsamples zu einer gewittermäßigen, aber auch tanzbaren Soundmasse, die zu bewegen weiß. Danach Über alles thront das Flug, ebenfalls ein Live-Elektroniker, der sich nicht scheut, auch selber ins Mikro zu singen und zu schreien und dabei nicht selten an die Anfangszeiten von Egotronic erinnert! Björn Pengrundet die Sache ab und wurde beauftragt, nach seinem Live-Set ein mehrstündiges Kirmestechno-Set zu präsentieren.

Im großen Raum eröffnet J-D4D4 aus Tübingen, souverän partyerprobt mit electro-housigen Tunes und bringt den Dancefloor schon mal auf Temperaturen für den Züricher DJ Malik Sabotage. Dieser ist bereits zum 4. Mal in der KTS und wer sein abwechlsungreiches Set schon einmal erleben konnte, weiß, dass „Rave“ hier wirklich nicht übertrieben ist. Sein Reportoire reicht von Electro bis Techno mit kleinen Abschweifen Richtung Dubstep. Am Ende übernimmt Valentin Paul. Sein Sound sprengt jegliche Definitions-Grenzen: von Funkytech über Dub, bis zu Swing und Drum and Bass kann hier alles passieren!

Dazu gibts theoretisch was zu Essen und ideologiekritische Cocktails. Der Erlös des Abends soll das Finanzloch stopfen, das die „Thementage gegen Antisemitsmus“ hinterlassen haben.

Bilanz

Am 12.09.11 gingen die „Thementage Antisemitismus“ mit einem Vortrag von Alex Feuerherdt zum „Mythos Nakba“ zu Ende.

Als das Cafe Palestine Freiburg im Frühjahr 2011 bekanntgegeben hatte, dass es am 11. September diesen Jahres unter dem Titel „Palästina, Israel, Deutschland – Grenzen einer offenen Diskussion“ eine Reihe internationaler Referentinnen und Referenten eingeladen habe, die ob ihrer antiisraelischern und verschwörungstheoretischen Äußerungen schon bekannt waren, und dafür bestimmt nicht zufällig den zehnten Jahrestag des antisemitischen Angriffs auf das World-Trade-Center wählte, entschlossen sich israelsolidarische Gruppen und Einzelpersonen – darunter die Initiative sozialistisches Forum, die Deutsch-Israelische Gesellschaft (DIG) sowie der Rosa-Luxemburg-Club Freiburg – dazu, dies nicht unwidersprochen zu lassen. Das Ergebnis waren die „Thementage Antisemitismus“. Die dort vorgebrachte Kritik sollte sich nicht nur am Cafe Palestine abarbeiten, sondern auch eigene Impulse setzen. Dies ist den Initiatoren der „Thementage“ mit zahlreichen, gut besuchten Vorträgen und Workshops, gelungen.
Bis auf wenige aggressive Ausfälle – z.B. von Personen, die sich am Infostand der Deutsch-Israelischen-Gesellschaft in der Freiburger Innenstadt als überzeugte Hamas-Anhänger zu erkennen gaben –, wurde das Angebot gut aufgenommen und es gab viele interessante Diskussionen . Zu Störungen der Veranstaltungen von Seiten propalästinensischer Aktivisten kam es erfreulicherweise nicht.

Gilad Atzmon und Ken o\'Keefe

Ein besonderes Ärgernis, das – im Vergleich zur Palästina-Konferenz im Bürgerhaus Zähringen – mitten in der Freiburger Innenstadt stattfand, gab es jedoch: den Infostand des Cafe Palestine nebst zugehörigem Straßenkonzert des antisemitischen Klarinettisten Gilad Atzmon aus Israel, der Jazz als seine Form des Jihad bezeichnet (vgl. http://jungle-world.com/artikel/2011/11/42823.html) und gegen dessen Auftritte in Freiburg sich schon einmal antifaschistische Proteste gerichtet hatten. Als Atzmon eine kleine gruppe israelsolidarischer Personen ausmachte, die Flyer über ihn sowie den Aufruf der „Thementage Antisemitismus“ verteilten, nahm er seine Klarinette auf die Schulter und symbolisierte eine Panzerfaust oder einen Rakentewerfer. Sein Begleiter Kenneth O‘ Keefe – bekannt als Passagier der islamistischen Gaza-Flotille, die im Sommer 2010 die Souveränität Israels infragestellte – provozierte die AntifaschistInnen durch die Aufnahme unzähliger Portraitfotos. Gilad Atzmon spielte dann seine Versionen von „Hava Nagila“ und der „haTikwa“, welche er in nervige Gelächterklänge enden ließ. Auch Annette Groth von der Partei DIE LINKE, die berühmte Insassin des Frauendecks der Mavi Marmara und menschenrechtspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion ihrer Partei, besuchte den Stand der vermeintlichen Friedensfreunde. Nachdem alle Umstehenden mit einem Flugblatt über den „lupenreinen Antisemiten Gilad Atzmon“ versorgt waren, bat ihn eine Bedienung des Café Aspekt mit den nervenden Tönen aufzuhören, da sich die Gäste belästigt fühlten. Dadurch war der Spuk nach ca 15 Minuten auch schon wieder vorbei.

Wer die Vorträge auf den „Thementagen Antisemitismus“ nicht oder nur einen Teil von ihnen besuchen konnte, kann versäumtes nachholen: Vorträge der Thementage 2011

Die Veranstalter der „Thementage“ werden das Cafe Palestine und ihr antiisraelisches Umfeld weiter beobachten. Ein Blick auf den Blog www.thementage.tk lohnt sich also weiterhin.

… und jetzt?

Wir werden in den nächsten Tagen versuchen die gehaltenen Vorträge in Textform oder als mp3 bereit zu stellen und ein Resumé veröffentlichen. Es lohnt sich also auch weiterhin diesen Blog zu besuchen. Wir würden uns auch über Eindrücke von außerhalb des Orga-Kreis freuen: gleich hier als kommentar (moderiert) oder per E-Mail an thementage ät riseup.net