Die Referent_innen des Cafe Palestine am 11.9.2011

Am 11.9. führt das Cafe Palestine unter dem Titel “Palästina, Israel, Deutschland – Grenzen der offenen Diskussion” ein Tagesseminar durch, bei dem ein “freier und kreativer Diskurs” über den Nahost-Konflikt eröffnet werden soll, denn bislang müssten – durch die zionistische Kontrolle von Medien und Öffentlichkeit, wie nahegelegt wird – “eine Vielzahl von Gedanken besser unausgesprochen bleiben”, die es endlich zu äußern gelte – natürlich im Namen des “Humanismus”. (http://paltagefreiburg2011.blogspot.com/2011/05/uber-die-konferenz.html)

Dazu wurden eine bunte Mischung von Journalisten, Wissenschaftlern, Verschwörungstheoretikern, Antisemiten, Antizionisten und Islamisten eingeladen, die die Kritik an Israel vereint. Es lohnt also einen Blick auf die Referentenliste (Vortragstitel soweit angekündigt in Klammern):

Samir Abed-Rabbo
Us-amerikanischer Autor, Wissenschaftler und Unternehmer. Zionismus ist für Abed-Rabbo “a racist ideology manifested in several ways: An archaic political ideology that holds and promotes Jewish racial purity and divine entitlement to Palestine; military occupation through colonial human settlement, confiscation of land and expulsion of the natives; political exploitation through denial of basic human rights under the guise of spreading western values; and economic and cultural persecution through destruction, ethnic cleansing and genocide against the indigenous presence.” (http://ccun.org/Opinion%20Editorials/2009/May/3%20o/Zionism,%20The%20Role%20of%20the%20US%20in%20Israel%20By%20Samir%20Abed-Rabbo.htm) Er kritisiert die us-amerikanische Unterstützung Israels als einen Verstoß gegen die amerikanische Verfassung. Jegliche kritische Beschäftigung mit dem Islam und der muslimischen Welt sieht er als Teil eines Masterplans der Beherrschung der islamischen Staaten durch den Westen. Die Muslime (dem Westen verfallene Dikatatoren und ihre Helfershelfer natürlich abgezogen) werden dagegen zum positiv definierten Kollektivsubjekt in einer schablonenartigen Analyse der Weltpolitik. (http://www.aljazeerah.info/Opinion%20editorials/2006%20Opinion%20Editorials/November/22%20o/Islam,%20Muslims%20and%20the%20West%20By%20Samir%20Abed-Rabbo.htm)

Gilad Atzmon (“Geschichte, Wahrheit, Integrität”)
Ehemals israelischer, nunmehr britischer Oriental-Jazz-Musiker, der “auf dem schmalen Grat zwischen historischer Reflexion und zynischer Polemik” wandle, wie die Badische Zeitung säuselt. Wir nennen es offenen Antisemitismus. Von Gabriele Weber sauber ins Deutsche übersetzt, ließ er im April im Cafè Jos Fritz folgendes verlauten: Nicht nur dass Atzmon wiederholt die „Dejudification Israels“ fordert – so freut er sich, dass Israel das viertunbeliebteste Land laut einer Umfrage der BBC sein soll. Für ihn eine gute Nachricht, „the real victory“, „the real meaning of truth“ – und das trotz der Bemühungen der „Israel-Lobby“, die Welt mit der „Holocaust-tyranny“ zu manipulieren. Israel würde einen „tsunami of human brutality on their neighbors“ auslösen, jegliche Unterstützung für Japan wäre nichts als eine weitere Finte des verlogenen Juden, dem jeder „drop of empathy“ abgehe. Stattdessen komme es zu „Kristallnacht“ durch jüdische Siedler, und überhaupt: „israel is far worse than nazi germany“, denn „zionism predates nationalsocialism“ und die Nazis hätten nur von den Juden gelernt. (http://cafepalestinefreiburg.blogspot.com/search?updated-min=2011-03-01T00%3A00%3A00-08%3A00&updated-max=2011-04-01T00%3A00%3A00-07%3A00&max-results=3) Ist das nicht ein schönes “zündstoffreiches Amalgam” (Badische Zeitung, http://www.badische-zeitung.de/rock-pop/verschiedenheit-zelebrieren--42479052.html)? Die ganze weitere Palette antisemitischer Stereotypen findet sich in den Artikeln von Atzmon unter www.gilad.co.uk. Ein kleine Kostprobe: “Increasingly, Israel seems to be nothing more than a humongous money laundering haven laundering haven for Jewish oligarchs, swindlers, weapon dealers, organ traffickers, organized crime and blood diamond traders. (…) In fact, in the Jewish state, a few million Jews are serving the darkest possible interests, the fruits of which, are to be enjoyed by just a very few rich villains. (…) Instead of addressing the above relentless greed-driven attempt to grab wealth on the expense of the rest of humanity, we are all focusing on a single territorial conflict, that actually brings to light just one devastating criminal side of the Jewish national project.“ = “Zunehmend scheint Israel nicht mehr als ein gigantischer Geldwäsche Hafen für jüdische Oligarchen, Betrüger, Waffenschieber, Organhändler, für das organisierte Verbrechen und für Blutdiamantenhändler zu sein. (…) Tatsächlich dienen im Jüdischen Staat ein paar Millionen Juden den dunkelsten Interessen, deren Früchte nur von einigen wenigen reichen Schurken genossen werden können. (…) Anstatt den oben erwähnten unbarmherzigen von Gier getriebenen Versuch, den Reichtum auf Kosten der restlichen Menschheit an sich zu reißen, anzusprechen, konzentrieren wir uns auf einen einzelnen territorialen Konflikt, der tatsächlich nur eine verheerende kriminelle Seite des jüdischen Nationalprojektes ans Licht bringt.“ (http://www.gilad.co.uk/writings/gilad-atzmon-israeli-economy-for-beginners.html?printerFriendly=true)
Flugblatt gegen den Aufitritt von Gilad Atzmon

Ramzy Baroud (“Eine Geschichtsschreibung aus GAZA: die Geschichtsschreibung durch Erzählung herausfordern”)
In den USA lebender palästinensischer Autor, der auch in vielen westlichen Zeitungen publiziert. Er versteht sich als Chronist (Bücher: “Searching Jenin”, “The Second Palestinian Intifada: A Chronicle of a People’s Struggle”, “My father was a freedom-fighter”) des palästinensischen Widerstandeskampfes gegen die israelische Besatzung. Immerhin leistet er eine kritische Analyse der Machtverhältnisse unter den Palästinensern. Als Anhänger des verstorbenen Arafat und Kritiker von Präsident Abbas bemängelt Baroud, dass der Oslo-Prozess den Palästinensern keine wirklichen Fortschritte gebracht habe. Wenn Baroud auch Selbstmordattentate ablehnt, so huldigt er doch dem Opfer- und Märtyrerkult, wobei er alle Widerstandshandlungen gegen Israelis als nachvollziehbar und von diesen selbst verschuldet betrachtet. Das Verhalten der anderen arabischen Staaten gegenüber des Palästinensern wird auf einen “Verrat” an der palästinensischen Sache reduziert; eine Reflexion darüber, dass und warum die gelobten Widerstandsstrategien gegen Israel und die IDF politisch wie menschlich suizidale Folgen haben müssen, sucht man jedoch vergebens.

Ihbrahim El-Zayat (“Antisemitsmus und Islamophobie”)
Soft-Islamist, laut Verfassungsschutz “mächtiger islamistischer Strippenzieher” (http://www.faz.net/artikel/C31315/islamkonferenz-trojanisches-pferd-30098172.html), der sich mit öffentlichen Äußerungen zurückhält, aber beste Kontakte im islamistischen Netzwerk unterhält. (http://www.spiegel.de/spiegel/spiegelspecial/d-56323061.html) Bis 2010 Chef der Islamischen Gemeinschaft Deutschland (IGD), beruflich organisiert er unter anderem Bau und Verwaltung die Moscheen der islamistischen Organisation Milli Görüs.

Sameh Habeeb

In Großbritannien lebender palästinensischer Journalist, Gründer der Online-Zeitung Palestine Telegraph, dort bis Juli 2011 tätig. Wie Baroud macht auch Habeeb lediglich Israel für das Scheitern des Friedensprozesses haftbar und hofft auf Impulse der arabischen Nachbarländer nach den Revolutionen, denn die Befreiung Palästinas sei das zweite Anliegen der arabischen Völker nach dem Verjagen der eigenen Diktatoren. (http://www.paltelegraph.com/opinions/editorials/9298-israel-seeks-wars-not-peace.html). Wenn Israel seine Position im Friedensprozess nicht ändere, erwartet Habeeb größere Auseinandersetzungen mit den arabischen Staaten.

Alan Hart (“Die Komplizenschaft der Mainstream-Medien in der zionistischen Unterdrückung der Wahrheit der Geschichte”)
Ehemaliger BBC-Korrespondent mit besten Kontakten in den 60er Jahren zu Israelis und PLO; Vermittler im Hintergrund bei verschiedenen Gesprächen zwischen beiden Seiten, der in seinen späteren Jahren eine verschwörungstheoretische, antisemitische Wende nimmt. In seinem Opus Magnum “Zionism – the real enemy of the jews” versucht er detailreich nachzuweisen, dass Juden weltweit unter der verruchten Ideologie des Zionismus zu leiden hätten; Motivation der israelischen Protagonisten ist dabei nicht die Sicherung des Überlebens des Staates Israel, sondern eine abstrakt-perfide Herrenmenschen-Ideologie, die Hart immer wieder mit dem Ausspruch “in gut’s zionist name” verballhornt. Alan Hart schafft es, selbst den Antisemiten Breivik als von der Propaganda des Zionismus angetriebenen darzustellen: “One is that Breivik is fanatically anti Islam and pro Zionism. The other is that Zionism’s propaganda machine has been set to work at full speed, day and night, eight days and nights a week, to demonize, discredit and destroy all who are calling and campaigning for Israel to be boycotted. […] I describe the Israel-Palestine conflict as the cancer at the heart of international affairs which threatens to consume us all. It’s bad enough that Zionist propaganda has prevented a cure for it, but if now that same propaganda is inspiring Europeans in Europe to slaughter their own, the future is very, very frightening.” (http://www.alanhart.net/norway’s-monster-and-the-question/#more-1563 ) Und hinter 9/11 steckt – wer hätte das gedacht – der Mossad mit einer kontrollierten Sprengung der TwinTowers, wie Hart mit zwingender Logik beweist: http://www.youtube.com/watch?v=hmga7FVYbks. (http://www.alanhart.net/)

Evelyn Hecht-Galinski (“Wieviel Israel-Kritik darf’s denn sein?”)
Als prominenteste deutsche Antizionistin braucht Fr. Hecht-Galinkski an dieser Stelle nicht weiter vorgestellt zu werden.

Ken O’ Keefe (“Grenzen der Diskussion – praktische Lösungen für die Selbstbestimmung in Palästina”)
Betrachtet sich selbst als World Citizen, der in seiner Universalformel „Truth-Justice-Peace“ das Allheilmittel der Weltgeschichte sieht. Den Palästinensers empfiehlt er die Übernahme südafrikanischer Widerstandsstrategien gegen das Apartheid-Regime, um einen gesamtpalästinensischen Staat ohne jüdische Kontrolle zu erreichen. (http://worldcitizen.uk.net/)

Makram Khoury-Machool
Englischer Medienwissenschaftler, eine Studie über “Arab Media: From the First Press to New Media” ist bei Routledge angekündigt.