Gabi Webers andere Seite

Das Café Palestine (CP) in Freiburg hat eine Website, die seine Vorsitzende Gabi Weber betreibt. Doch das Mitteilungsbedürfnis der Allgemeinärztin und Antizionistin ist groß. Deshalb schreibt sie nun das Internet auf ihrer eigenen Homepage voll. Auf der anderen Seite (http://othersite.org) erwartet man das Ungewöhnliche, doch damit geht es einem so wie in Monty Pythons running gag. Auf die Ankündigung „Und nun zu etwas völlig Anderem!“ folgt mit stoischer Konsequenz das immer Gleiche: Verschwörungstheorien und Links zu antizionistischer und antisemitischer Propaganda. Das ist im Unterschied zu Monty Python aber überhaupt nicht komisch. Dazwischen lamentiert Gabi Weber, alle würden ständig das CP „delegitimieren und stigmatisieren“.

Ihre aktuelle Verschwörungstheorie braute sich Weber nach dem Gerichtsprozess zusammen, bei dem das CP gegen die Universität Freiburg Recht bekam – eigentlich nicht gerade ein Indiz für eine Verschwörung. Die Universität wollte eine Veranstaltung mit einem Hamas-Sympathisanten nicht genehmigen, scheiterte aber an den engen Auflagen für die Vergabe öffentlicher Räume. Gabi Weber kann jedoch nicht einfach akzeptieren, dass ein Streit in einer öffentlichen Verhandlung nach formalen juristischen Maßstäben zu ihren Gunsten entschieden wird.

Für Weber zählt allein, dass überhaupt jemand ihren Verein kritisiert und Veranstaltungen des CP nicht bei sich stattfinden lassen möchte. Das kann doch nur eine verborgene Macht sein, ein „Gatekeeper“, wie sie auf ihrer Homepage schreibt. Der Begriff des Gatekeepers stand in der Medienforschung der 50er Jahre metaphorisch für strategische Mechanismen der Nachrichtenauswahl. Im Internet existieren jedoch keine festen redaktionellen Schranken mehr, daher ist die ohnehin fragwürdige Theorie veraltet. Weber bringt damit ihre paranoide Vorstellung zum Ausdruck, dass einzelne Menschen an den Schaltstellen der Macht Informationen unterdrücken. Das behauptet sie, während sie munter bloggt und dabei doch selbst merken kann, dass heutzutage nun wirklich jeder jeden Quatsch im Internet veröffentlicht. Stattdessen ist der Sachverständige, der Historiker Heinrich Schwendemann, der die Raumverweigerung durch die Universität vor Gericht inhaltlich erläuterte, in ihren Augen ein Gatekeeper an der Freiburger Universität. Und das begründet sie so:

Aus den Unterlagen, die der Stellungnahme der Universität beigefügt waren, war sofort ersichtlich, dass die Universität Anweisungen Schwendemanns folgte, der hinter den Kulissen behauptete, dass „durch Inhalte der Veranstaltungen des Vereins sowie die Ansichten einzelner Referenten offen zum Antisemitismus aufgerufen wird“ und dass er „dringend von weiteren Raumüberlassungen an diesen Verein“ abraten würde.

Aus einem Sachverständigen, der seine Einschätzung zum Treiben des CP in einer öffentlichen Gerichtsverhandlung begründet, fantasiert sich Frau Weber einen Gatekeeper zusammen, der „hinter den Kulissen“ „Anweisungen“ erteilt. Übrigens, noch einmal mal zur Erinnerung: Das CP hat den Prozess gegen die Uni gewonnen. Gegen Ende ihres Artikels sieht Weber dann schon die geistige Gesundheit des deutschen Volkes bedroht: „Ist es nicht genug, dass die „Schwendemänner“ unserer Zeit den Deutschen zu sagen versuchen, was sie zu denken haben?“

Den Blogeintrag hat sie entsprechend demagogisch mit einem Bild illustriert, für das sie ein Porträtfoto Schwendemanns zu einer fies grinsenden Fratze verzogen hat. Daneben prangt das Konterfei Gilad Atzmons in Denkerpose. Schwendemann hat sich Atzmon, einen Antizionisten, bekennenden „selbsthassenden Juden“ und beliebten Referenten des CP, genauer angeschaut. Dabei kam er zu dem Schluss, dass dessen Veröffentlichungen auch von einem Neonazi stammen könnten. Schon der englische Originaltitel seines aktuellen Buches „The wandering who“ erinnert lautmalerisch an die mittelalterliche Legende vom „wandering jew“, dem ewig rastlosen Juden, den die nationalsozialistische Propaganda im „ewigen Juden“ von Fritz Hippler zu schrecklicher Berühmtheit brachte.

Mitorganisatoren der Thementage gegen Antisemitismus haben einen Kommentar geschrieben, den inzwischen mehrere Webseiten veröffentlicht haben. Das kann für Frau Weber nur das Werk eines „Netzes“ sein. Noch mehr Gatekeeper heißt der Beitrag, in dem sie erst einmal die Gatekeeper an sich entlarvt:

Die Gatekeeper sitzen nicht nur in Universitäten, Schulen, Stadtverwaltungen, Medien und vielen anderen öffentlichen Einrichtungen. Man denke nur an die Nakba-Ausstellung im Herbst 2010 in Freiburg zurück. Kaum waren die Programme der Stadtbibliothek gedruckt und wurden an das Freiburger Amtsblatt weiter geleitet, wurde die Kontroll-Maschinerie in Gang gesetzt. Sie reicht bis nach ganz oben, wie wir Freiburger wissen.

Auch damals klagte das CP, gewann den Prozess und die Ausstellung fand wie geplant in den Räumen der Stadtbibliothek statt. Auch wenn das CP verloren hätte, wären keine „Gatekeeper“ verantwortlich, aber dass noch nicht einmal gewonnene Prozesse gegen die eingebildete Unterdrückung sprechen, zeigt, dass Weber komplett in ihrer Verschwörerwelt gefangen ist.
Und so kündigt sie noch eine brandheiße Enthüllung an:

Nachfolgend finden Sie ein wenig Recherche-Material, das dazu dienen soll, einen Teil des Netzes aus Antideutschen, Deutsch-Israelischer Gesellschaft, „Achse des Guten“ und anderen Webseiten, wie „Publikative.org“ sichtbar zu machen.

In Erwartung einer neuen Verschwörungsgeschichte liest man dann verblüfft die Selbstdarstellungen aller Autoren, genau so wie sie sich auf deren Webseiten finden. Und dazu hat Weber noch alle Links oder öffentliche Einträge kopiert, die sie investigativ googeln konnte. Sie macht für ihre Leser „sichtbar“, was ohnehin schon publiziert wurde. Dass das jeder einfach so lesen kann, muss wohl ein ganz fieser Trick sein. Denn erst durch Weber wird alles „sichtbar“, als wäre es mit digitaler Geheimtinte geschrieben. Sie vermutet dahinter den „Teil“ eines „Netzes“, also das, was es auch ist, nämlich ein Teil vom Internet, aber irgendwie doch anders und geheimnisvoller. Und wenn sich diese Leute womöglich persönlich kennen? Nicht auszudenken, das wäre ein Komplott von ungeheurem Ausmaß!

David Harnasch veröffentlichte bei der Achse des Guten den Kommentar unter der Überschrift Cafe Judenhass erklagt sich Raum in der Uni Freiburg – BZ pennt. Deswegen verlangt Frau Weber jetzt per Anwalt von der Achse des Guten eine Unterlassungserklärung. Aber Henryk M. Broder, Betreiber der Website, findet: „Eine verlorene Unschuld lässt sich nicht wiederherstellen“. Wenn Frau Weber unbedingt möchte, wird sich also erneut ein öffentliches Gericht mit ihrer Propaganda befassen. Sie kann bloggen und klagen soviel sie nur will.

Die Verschwörung, von der Weber spricht, das „Netz“ der „Gatekeeper“, sind erst einmal alle, die ihr öffentlich widersprechen. Meinungsfreiheit bedeutet für sie ganz schlicht, dass jeder ihren antizionistischen Dauerschwall und die antisemitische Propaganda ihrer Gäste ertragen muss. Sie war und ist zu einer Diskussion, zu der sie und ihr Verein penetrant aufrufen, nie bereit gewesen, weil sie jeden Kritiker von vorneherein für einen Verschwörer hält. Diese Frau und ihre Vereinskollegen hören schon lange niemandem mehr zu, der nicht dasselbe denkt wie sie. Und ihr Klub der Verschwörungstheoretiker braucht nun nicht mehr explizit auszusprechen, wer seinen Wahnvorstellungen zufolge letztlich die ganze Welt beherrscht.