Mi., 03. Okt.: Eröffnungsveranstaltung

Freiburger Zustände: Antizionistische und antisemitische Propaganda in der Breisgaumetropole

Mittwoch, 3.10.2012, 20 Uhr
Cafe Velo im Mobile am Hauptbahnhof

Spätestens seit Günther Grass`antiisraelischem Pamphlet kann man in besten Kreisen sich wieder offen antisemitisch äußern, ohne als Antisemit zu gelten: die „ehrbaren Antisemiten“ (Jean Amery), die mit gutem Gewissen das Ende Israels als jüdischem Staat herbeisehnen. Die Eröffnungsveranstaltung widmet sich den Freiburger Vertretern des organisierten Antisemitismus und Antizionismus. In kurzen Vorträgen berichten Jörg Huber über die Agitation des Cafe Palestine und die Partei „Die Linke“ und Moe (autonome Iraner) über den „kulturellen Dialog“ im Rahmen der Städtepartnerschaft Freiburg-Isfahan, der der islamistischen Diktatur im Iran hilft, den Schein von Normalität aufrecht zu erhalten. Anschließend beleuchtet Jochen Bruhn Geschichte und Hintergrund des linken Antisemitismus und Antizionismus.

Antizionismus und Volksstaat
Woher kommt das notorisch gute Gewissen der „Linken“ in ihrer Agitation gegen Israel? Wie funktioniert der Antisemitismus der sog. „legitimen Israel-Kritik“? Warum zeugt die feinsinnige Unterscheidung von Antisemitismus und Antizionismus vom Weißwaschen des deutschen Staatsfetischismus?

Der Wahn vom Volkssouverän ist die Ideologie der restlos kapitalisierten Gesellschaft, d.h. das zwar vollendet idiotische, aber desto lieber geglaubte und aggressiv bezeugte Ideologem, das die Linkspartei, Günter Grass und die NPD verbindet. Im Wettstreit um die Interpretation und sodann politische Okkupation dieses Begriffs vollzieht sich die objektive Reproduktion der deutschen Souveränität so, wie sie in der fraktionsübergreifenden, natürlich völkerrechtlich fundierten Verurteilung Israels durch den Bundestag im Mai 2010 sich aussprach, als alle Parteien den seerechtlich legitimen Einsatz gegen das Eindringen der islamistischen „Friedensflotte“ in israelisches Hoheitsgebiet unisono verdammten. Dies ist zugleich der Grund dafür, daß, wenn vom „Schurkenstaat“ Israel die Rede ist, gar nicht mehr unterschieden werden kann, wer spricht, und daß es einerlei ist, ob die Agitation gegen das jüdische „Staatsgebilde“ und gegen diesen „Staat aus der Retorte“ von Sozialdemokraten, sozialdemokratisierten Stalinisten oder gleich von zwangsparlamentarisierten Nazis ausgeht. Der manische Staatsfetischismus ist es, der, wie das Idiotem vom Geld, das endlich wieder dem Volk und der sog. Realwirtschaft zu dienen habe, die antagonistische Gesellschaft fraktionsübergreifend zusammenschweißt; er ist der Grund dafür, daß Herr und Knecht, daß Lohnarbeit und Kapital in der Aversion gegen die Juden zur Volksfront im Volksstaat zusammenfinden. Daß die Antizionisten Israel so als „Unstaat“, als „Gegenstaat“ und „teuflische Abstraktion“ aburteilen wie die Antisemiten die Juden als „Gegenrasse“ anprangern, liegt, betrachtet man die Linksdeutschen, insbesondere daran, daß die marxsche „Kritik der politischen Ökonomie“ nicht zugleich als Kritik der Souveränität des Kapitals entwickelt wurde, sondern von Anfang an vielmehr ein Staatlichkeitswahn einriß, der, von Ferdinand Lassalles Agitation für den Staat als die „große Assoziation und Produktivgenossenschaft des arbeitenden Volkes“ über das Programm der KPdSU in Sachen „Staat des ganzen Volkes“ bis hin zum „Erfurter Programm“ der Linkspartei sich aufplustert. Der Vortrag will insbesondere darstellen, wie dieses Unglück, das sodann die Juden und ihr Staat erleiden müssen, sich fugendicht vollendete, als die Kommunistische Internationale das Idiotem vom Volksstaat noch um das „Recht der Völker auf nationale Selbstbestimmung“ erweiterte (was Rosa Luxemburg „kleinbürgerlichen Humbug“ nannte) und zum „Djihad gegen das Kapital“ aufrief.

Es spricht Joachim Bruhn (Freiburg), Co-Autor von Initiative Sozialistisches Forum, „Furchtbare Antisemiten, ehrbare Antizionisten. Israel und die linksdeutsche Ideologie“ sowie „Das Konzept Materialismus“ (ça ira-Verlag); siehe auch www. isf-freiburg.org.