Archiv für September 2012

Neue Nachbarn für Israel?

Die Rebellionen im arabischen Raum dauern an, ihren frühlingshaften Charme haben sie jedoch längst verloren. In den Ländern, die sie zuerst erfassten, wie Tunesien und Ägypten, lassen sich langsam die Konturen neuer Machtverhältnisse erahnen. Ob sie die gehegten Hoffnungen auf gesellschaftlichen Fortschritt auch nur zum Teil erfüllen werden, das ist nun eine entscheidende Frage. Indizien dafür liegen im aktuellen Umgang der arabischen Gesellschaften mit denjenigen ihrer Mitglieder, die innerhalb der bisherigen despotischen Verhältnisse am ärgsten zu leiden hatten: Christen, Homosexuelle, Migranten, andere Minderheiten und nicht zuletzt Frauen. Inwieweit eine Gesellschaft sie vor Unterdrückung und Verfolgung bewahren kann, bestimmt ihren Charakter im Inneren. (mehr…)

Di., 02. Okt.: Soli-Party für die Thementage

Alle Veranstaltungen der Thementage Antisemitismus werden auf Spendenbasis angeboten. Das muss irgendwie finanziert werden. Dafür organisieren wir diese Party und hoffen auf eure Unterstützung.


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Mi., 03. Okt.: Eröffnungsveranstaltung

Freiburger Zustände: Antizionistische und antisemitische Propaganda in der Breisgaumetropole

Mittwoch, 3.10.2012, 20 Uhr
Cafe Velo im Mobile am Hauptbahnhof

Spätestens seit Günther Grass`antiisraelischem Pamphlet kann man in besten Kreisen sich wieder offen antisemitisch äußern, ohne als Antisemit zu gelten: die „ehrbaren Antisemiten“ (Jean Amery), die mit gutem Gewissen das Ende Israels als jüdischem Staat herbeisehnen. Die Eröffnungsveranstaltung widmet sich den Freiburger Vertretern des organisierten Antisemitismus und Antizionismus. In kurzen Vorträgen berichten Jörg Huber über die Agitation des Cafe Palestine und die Partei „Die Linke“ und Moe (autonome Iraner) über den „kulturellen Dialog“ im Rahmen der Städtepartnerschaft Freiburg-Isfahan, der der islamistischen Diktatur im Iran hilft, den Schein von Normalität aufrecht zu erhalten. Anschließend beleuchtet Jochen Bruhn Geschichte und Hintergrund des linken Antisemitismus und Antizionismus. (mehr…)

Do., 04. Okt.: Vortrag von Wahied Wahdat-Hagh

Der Iran heute: Zur Ideologie einer Diktatur und ihrer Politik in Zeiten der „Arabellions“

Donnerstag, 4.10.2012, 19 Uhr
Universität Freiburg, Peterhof, HS 4
Niemensstr. 10

Die Ideologen der „Islamischen Republik Iran“ verdrehen seit 33 Jahren die historischen Tatsachen. Ihre eigene Diktatur stellen sie als ein Befreiungsmodell für die „Unterdrückten“ dieser Welt und den Westen stellen sie als ein untergehendes System dar. Zudem prophezeien sie stets den Untergang Israels. Sie unterdrücken die eigene Bevölkerung, insbesondere die säkularen iranischen Frauen und die Jugend. Seit dem Beginn der Arabellion, d.h. der Revolten gegen die autoritären alten Diktaturen in der arabischen Welt, deuten die iranischen Machthaber die Islamische Revolution von 1979 als den Anfang und Ende der arabischen Revolten. Sie warnen vor westlicher Einflussnahme in diesen Ländern. Konsequent hat sich die islamistische Diktatur des Iran für eine brutale Machtpolitik auch in Bezug auf die Arabischen Revolten entschieden. Der Iran unterstützt inzwischen offen den syrischen Diktator Assad und setzt seine antiisraelische Politik fort. Nicht nur Präsident Ahmadinejad, sondern auch Ali Khamenei, der iranische Revolutionsführer, leugnet den Holocaust. Konsequent zeigt sich den Iran auch unnachgiebig in Bezug auf sein Atomprogramm, das dem Iran in die Lage versetzt, sich die Option der atomaren Bewaffnung offen zu halten. Wer in den letzten 33 Jahren von einer Reformierbarkeit der totalitären Diktatur ausgegangen ist, muss spätestens heute eingestehen, dass dies nur eine Fiktion ist.

Wahied Wahdat-Hagh hat an der FU Berlin über die „Islamische Repubolik Iran“ als die dritte Spielform des Totalitarismus promoviert. Er ist Fellow an der European Foundation For Democracy. Im Jahr 2012 erschien sein neues Buch beim Peter Lang Verlag: Der islamistische Totalitarismus. Über Antisemitismus, Anti-Bahaismus, Christenverfolgung und geschlechtsspezifische Apartheid in der „Islamischen Republik Iran“.

Fr., 05. Okt.: Vortrag von Leo Elser: In antisemitischer Gesellschaft

Freitag, 5.​10.​2012, 16 Uhr
Forst-Uni, Tennenbacher Str. 4

„Aber es gibt keine Antisemiten mehr“ – heißt es in der „Dialektik der Aufklärung“ von Theodor W. Adorno und Max Horkheimer, denn sich Antisemit zu nennen, hat nicht nur in der Politik zweifelsohne einen werbestrategischen Nachteil. Doch an der inneren Logik des antisemitischen Ressentiments hat sich deswegen noch nichts geändert. (mehr…)

Fr. 05.10: Podiumsdiskussion – Israels neue Nachbarn?

Freitag, 5.​10.​2012, 20 Uhr
Vorderhaus der FABRIK
Habsburgerstr. 9

Die Re­bel­lio­nen im ara­bi­schen Raum dau­ern an, ihren früh­lings­haf­ten Char­me haben sie je­doch längst ver­lo­ren. In den Län­dern, die sie zu­erst er­fass­ten, wie Tu­ne­si­en und Ägyp­ten, las­sen sich schon die Kon­tu­ren neuer Macht­ver­hält­nis­se er­ah­nen. In Syrien tobt aktuell ein mörderischer und schwer zu durchschauender Konflikt mit offenem Ausgang. Ob Hoff­nun­gen auf einen ge­sell­schaft­li­chen Fort­schritt gerechtfertigt sind, das ist nun eine ent­schei­den­de Frage.

Das Ver­hält­nis der betreffenden Staaten zum jü­di­schen Staat Is­ra­el, der sich völ­lig zu Recht als Ga­rant der ver­nünf­tigs­ten Ge­sell­schaft im Nahen Osten und als Schutz­macht aller ver­folg­ten Juden be­greift, ist dabei ein ent­schei­den­der Grad­mes­ser. Die Er­fah­rung zeigt, dass der Hass auf Is­ra­el und der Hass auf den re­la­ti­ven Fort­schritt und die re­la­ti­ve Frei­heit, die west­li­che De­mo­kra­ti­en er­rei­chen konn­ten, eng mit­ein­an­der zu­sam­men­hän­gen. Schon al­lein des­we­gen ist So­li­da­ri­tät mit Is­ra­el drin­gend ge­bo­ten und eine zen­tra­le Frage lau­tet: Be­kommt Is­ra­el neue ko­ope­ra­ti­ve Nach­barn oder neue Fein­de? (mehr…)

Sa., 06. Okt.: Workshop – Sekundärer Antisemitismus

Samstag, 6.​10.​2012, 16 Uhr
Forst-​Uni, Ten­nen­ba­cher Str. 4

Der Workshop „Sekundärer Antisemitismus: Antisemitismus trotz und wegen Auschwitz“ wird einen Überblick der verwirrenden Welt der AntisemitInnen bieten und ihre gängigen Topoi und Begriffshülsen dechiffrieren. Ein Inputreferat wird kurz skizzieren, was den Antisemitismus kennzeichnet und wie seine Genese vonstatten ging, wie er sich vom historischen Antijudaismus und Rassismus abgrenzt und welche psychischen Verbiegungen im postnazistischen Deutschland vollzogen werden müssen, um nach Auschwitz noch ein ehrbarer Antisemit (Améry) sein zu können. Anhand von Karikaturen, aktuellen Texten und Fotos wollen wir im Anschluss das Gehörte anwenden und diskutieren. (mehr…)

Sa. 06.10: Keine Bühne gegen Israel?

Sams­tag, 6.​10.​2012, 20 Uhr
Goldene Krone
Kronenstraße Ecke Mattenstraße

Man könnte den Antisemitismus als eine Tendenz bezeichnen, die Logik und Geschichte der modernen Vergesellschaftung im doppelten Sinne des Wortes entsprungen ist. Weil er sich als rationalisierter Wahn dem Zugriff der Vernunft entzieht, richten weder Argumente noch Appelle etwas gegen ihn aus. Ein politisches Projekt, das Antisemitismus und Antizionismus praktisch entgegentreten will, kann seinem Anspruch deshalb niemals gerecht werden: Es wird keine Mittel finden, um seine Zwecke zu erreichen.
Jan Singer beschreibt am Beispiel einer Kampagne gegen den antizionistischen Musiker Gilad Atzmon in Göttingen, wie und warum gutgemeinte politische Interventionen gegen den Antisemitismus scheitern – und er zeigt, warum sich die Verteidiger der Kritischen Theorie in der Debatte um Judith Butler und den Adorno-Preis besser zurückgehalten hätten. Ein Plädoyer für die Kritik und gegen das Engagement.

So., 07. Okt.: Film »Die vergessenen Flüchtlinge«

mit einem Vortrag von Tilman Tarach

Sonntag, 7.10.2012, 16 Uhr
Theater der Immoralisten, Ferdinand-Weiß-Str. 9

Flüchtlinge im Nahen Osten? Wer denkt dabei nicht an die Palästinenser? Doch während deren Schicksal weltweit beklagt wird, gibt es auch andere Flüchtlinge in der Region, von denen die meisten noch nie etwas gehört haben: Seit jeher existierten im Nahen Osten und in Nordafrika jüdische Gemeinden; etwa eine Million Juden lebten noch in den 1940er Jahren in den arabischen Staaten. Heute sind es nur noch ein paar Tausend, denn nach andauernden Diskriminierungen, Enteignungen, antisemitischer Hetze und Pogromen im Zuge des aufkommenden arabischen Nationalismus waren die Juden in großer Zahl gezwungen, aus ihren arabischen Heimatstaaten zu fliehen. Das Land, das die meisten dieser Flüchtlinge aufgenommen und integriert hat, heißt Israel. Der Film »Die vergessenen Flüchtlinge« von Michael Grynszpan zeigt Geschichte, Kultur und erzwungenen Auszug nahöstlicher und nordafrikanischer jüdischer Gemeinden in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Jüdische Flüchtlinge aus Ägypten, dem Jemen, aus Libyen, dem Irak und aus Marokko erzählen ihre Geschichten. Diese werden durch Archivmaterial von Rettungseinsätzen, durch historische Fotos von Auswanderung und Wiederansiedelung sowie Analysen von zeitgenössischen Wissenschaftlern ergänzt. Der Film, der von »The David Project« und IsraTV produziert wurde, wird in der deutschen Fassung, zum Teil in Englisch mit deutschen Untertiteln gezeigt. Nach einem kurzen Vortrag von Tilman Tarach (Autor des Israel-Buches »Der ewige Sündenbock«) zur aktuellen Bedeutung des Themas besteht die Möglichkeit zur Diskussion.

Schlafplatzbörse

Bald ist es soweit. Wenn ihr zu den Thementagen nach Freiburg kommen wollt und nicht wisst, wo ihr unterkommen sollt, könnt ihr eine Email an thementage (ät) riseup.net schreiben und wir versuchen euch zu vermitteln.
Das Gleiche gilt übrigens für unsere Unterstützer_innen in Freiburg. Meldet euch bitte bei oben genannter Adresse, falls ihr Schlafplätze zur Verfügung stellen könnt.