Archiv für September 2011

Bilanz

Am 12.09.11 gingen die „Thementage Antisemitismus“ mit einem Vortrag von Alex Feuerherdt zum „Mythos Nakba“ zu Ende.

Als das Cafe Palestine Freiburg im Frühjahr 2011 bekanntgegeben hatte, dass es am 11. September diesen Jahres unter dem Titel „Palästina, Israel, Deutschland – Grenzen einer offenen Diskussion“ eine Reihe internationaler Referentinnen und Referenten eingeladen habe, die ob ihrer antiisraelischern und verschwörungstheoretischen Äußerungen schon bekannt waren, und dafür bestimmt nicht zufällig den zehnten Jahrestag des antisemitischen Angriffs auf das World-Trade-Center wählte, entschlossen sich israelsolidarische Gruppen und Einzelpersonen – darunter die Initiative sozialistisches Forum, die Deutsch-Israelische Gesellschaft (DIG) sowie der Rosa-Luxemburg-Club Freiburg – dazu, dies nicht unwidersprochen zu lassen. Das Ergebnis waren die „Thementage Antisemitismus“. Die dort vorgebrachte Kritik sollte sich nicht nur am Cafe Palestine abarbeiten, sondern auch eigene Impulse setzen. Dies ist den Initiatoren der „Thementage“ mit zahlreichen, gut besuchten Vorträgen und Workshops, gelungen.
Bis auf wenige aggressive Ausfälle – z.B. von Personen, die sich am Infostand der Deutsch-Israelischen-Gesellschaft in der Freiburger Innenstadt als überzeugte Hamas-Anhänger zu erkennen gaben –, wurde das Angebot gut aufgenommen und es gab viele interessante Diskussionen . Zu Störungen der Veranstaltungen von Seiten propalästinensischer Aktivisten kam es erfreulicherweise nicht.

Gilad Atzmon und Ken o\'Keefe

Ein besonderes Ärgernis, das – im Vergleich zur Palästina-Konferenz im Bürgerhaus Zähringen – mitten in der Freiburger Innenstadt stattfand, gab es jedoch: den Infostand des Cafe Palestine nebst zugehörigem Straßenkonzert des antisemitischen Klarinettisten Gilad Atzmon aus Israel, der Jazz als seine Form des Jihad bezeichnet (vgl. http://jungle-world.com/artikel/2011/11/42823.html) und gegen dessen Auftritte in Freiburg sich schon einmal antifaschistische Proteste gerichtet hatten. Als Atzmon eine kleine gruppe israelsolidarischer Personen ausmachte, die Flyer über ihn sowie den Aufruf der „Thementage Antisemitismus“ verteilten, nahm er seine Klarinette auf die Schulter und symbolisierte eine Panzerfaust oder einen Rakentewerfer. Sein Begleiter Kenneth O‘ Keefe – bekannt als Passagier der islamistischen Gaza-Flotille, die im Sommer 2010 die Souveränität Israels infragestellte – provozierte die AntifaschistInnen durch die Aufnahme unzähliger Portraitfotos. Gilad Atzmon spielte dann seine Versionen von „Hava Nagila“ und der „haTikwa“, welche er in nervige Gelächterklänge enden ließ. Auch Annette Groth von der Partei DIE LINKE, die berühmte Insassin des Frauendecks der Mavi Marmara und menschenrechtspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion ihrer Partei, besuchte den Stand der vermeintlichen Friedensfreunde. Nachdem alle Umstehenden mit einem Flugblatt über den „lupenreinen Antisemiten Gilad Atzmon“ versorgt waren, bat ihn eine Bedienung des Café Aspekt mit den nervenden Tönen aufzuhören, da sich die Gäste belästigt fühlten. Dadurch war der Spuk nach ca 15 Minuten auch schon wieder vorbei.

Wer die Vorträge auf den „Thementagen Antisemitismus“ nicht oder nur einen Teil von ihnen besuchen konnte, kann versäumtes nachholen: Vorträge der Thementage 2011

Die Veranstalter der „Thementage“ werden das Cafe Palestine und ihr antiisraelisches Umfeld weiter beobachten. Ein Blick auf den Blog www.thementage.tk lohnt sich also weiterhin.

… und jetzt?

Wir werden in den nächsten Tagen versuchen die gehaltenen Vorträge in Textform oder als mp3 bereit zu stellen und ein Resumé veröffentlichen. Es lohnt sich also auch weiterhin diesen Blog zu besuchen. Wir würden uns auch über Eindrücke von außerhalb des Orga-Kreis freuen: gleich hier als kommentar (moderiert) oder per E-Mail an thementage ät riseup.net

Abschließender Vortrag

Die Thementage Antisemitismus gehen heute abend mit einem Vortrag von Alex Feuerherdt zum Mythos „Nakba“ zu Ende. Wir möchten uns schon einmal für die wirklich rege Beteiligung an unseren Veranstaltungen und der gelungenen Kooperation mit den Veranstaltungsorten bedanken. Wir würden uns sehr freuen, wenn auch heute abend, um 20.00 Uhr im Vorderhaus der Fabrik (Herdern), wieder zahlreiche Gäste kommen und sich an der anschließenden Diskussion beteiligen.

Auch dieser Vortrag kostet keinen Eintritt, uns aber trotzdem Geld, weshalb wir uns über eure Spenden freuen. Dies wäre auch über unser Spendenkonto möglich.

Erklärung aus dem iz3w gegen die Palästinatage

Das Informationszentrum dritte Welt in Freiburg hat eine Erklärung gegen die Palästinakonferenz veröffentlicht.
Zum Nachlesen auf ihrer Seite: Hier

Schlafplätze

Weil heute die Anfrage um 400% gestiegen ist: Wir können auch noch kurzfristig Schlafplätze vermitteln. Schickt eine Mail an thementage ät riseup.net

Wir sehen uns morgen!

Brief an die Moderatoren der „Palästina-Tage“

Am Montag haben wir als Organistorinnen und Organisatoren der Thementage gegen Antisemitismus einen Brief an die Moderatoren der „Palästina-Konferenz“ geschrieben, mit der Bitte um Antwort. Diese blieb bisher leider aus. Unser Anschreiben möchten wir hier im folgenen dokumentieren:

Sehr geehrter Hr. Dr. Tilman Lüdke, sehr geehrter Hr. Prof. Dr. Bernhard Uhde, sehr geehrter Hr. Prof.
Dr. Heribert Weiland,

laut der Internetseite des Cafe Palestine übernehmen Sie an dem Tagesseminar am 11.9.2011 die Moderation bei der Veranstaltung. Wir möchten Sie darauf hinweisen, dass die Veranstalter durch die Kooperation mit angesehenen Wissenschaftlern versuchen, ihren Forderungen nach der Abschaffung Israels und ihren antisemitischen Invektiven einen respektablen Anstrich zu geben. Zudem bedient das Cafe Palestine das Klischee jüdischer Manipulation und Weltherrschaft, wenn es behauptet, die öffentliche Meinung stehe unter zionistischer Kontrolle und – entgegen jeglicher empirischer Erfahrung, ist doch bspw. in Deutschland die Berichterstattung über die israelische Militär- und Siedlungspolitik vorwiegend negativ – eine Kritik an Israel würde unterdrückt und verfolgt.

Das Cafe Palestine pocht auf das Recht auf Meinungsfreiheit; die von einigen Referenten geäußerten Meinungen stellen unserer Meinung nach jedoch Volksverhetzung dar. Besonders betrifft dies die Referenten Gilad Atzmon und Alan Hart. Als Beleg finden Sie im Folgenden einige Passagen aus Gilad Atzmons Internet-Seite. Ähnliche drastische Äußerungen hat er bereits im März diesen Jahres auf einer Veranstaltung im Café Jos Fritz verlauten lassen.1 Atzmon ist ein israelischer Jazzmusiker, der seit 1994 in Großbritannien im selbstgewählten Exil lebt. Neben seiner Tätigkeit als Musiker betätigt er sich als Autor politischer Essays und hat bisher zwei Romane veröffentlicht.

Das Hauptobjekt in seinen Schriften, seinen Romanen wie seinen Essays, ist Israel. Dabei nimmt er kein Blatt vor den Mund und erweist sich weniger als Kritiker der israelischen Politik denn als lupenreiner antisemitischer Ideologe. So wehrt er sich gegen den Vergleich zwischen Nazi-Deutschland und Israel, da er Israel für viel schlimmer befindet, was ihn nicht davon abhält zu behaupten, dass Israel sich zum neuen Nazi-Deutschland entwickelt hätte. Während die Deutschen keinerlei Verantwortung für die Verbrechen der Nazis zu tragen hätten, wären die Israelis als Demokraten sämtlich verantwortlich und würden damit die Verbrechen der Nazis in den Schatten stellen.2 Auch der Ku-Klux-Klan habe Ähnlichkeiten mit dem Staat Israel, da dieser „politisch und spirituell von einer rassistischen Überlegenheits-Ideologie“ geleitet werde.3 Die israelischen Kriege leiten sich also aus einer rassistischen, chauvinistischen Bibelinterpretation ab, auf die auch die Legitimierung des Staates selber fuße, weshalb Atzmon eine jüdische Demokratie als „koscheren Oxymoron“ bezeichnet.4
In der Bedienung des alten antisemitischen Vorwurfs der Unproduktivität behauptet er, Israel habe keinerlei Produktivkräfte vorzuweisen. Den israelischen Reichtum kann er sich nur dadurch erklären, dass Israel ein „gigantischer Geldwäsche Hafen für jüdische Oligarchen, Betrüger, Waffenschieber, Organhändler, für das organisierte Verbrechen und für Blutdiamantenhändler“ sei. „Im jüdischen Staat“, so sagt er, „dienen ein paar Millionen Juden den dunkelsten Interessen, deren Früchte nur von einigen wenigen reichen Schurken genossen werden können.“5

Neben der Unproduktivität taucht auch der Vorwurf des gierigen Raffens auf, der dem vorhergehenden bei klassischen Antisemiten stets beigesellt ist. So schreibt er von einem „unbarmherzig von Gier getriebenen Versuch, den Reichtum auf Kosten der restlichen Menschheit an sich zu reißen“.6 Atzmon imaginiert die ganze Welt als durch Israel kontrolliert und gleichzeitig bedroht, denn „die israelische Bombe ist für uns da, für die Briten, die Türken, die Franzosen, die Russen, die Chinesen, kurz: für den Rest der Menschheit“.7 Daher bleibt für ihn nur eine Alternative. Er fordert die ganze Welt auf zu erkennen: „Wir sind alle Palästinenser und wir haben alle denselben Feind“.8 Wer dieser Feind ist, ist nicht schwer auszumalen.

Deshalb bekennt Atzmon auch: „Ich bin mit den reaktionärsten Kräften verbündet: Ich unterstütze die Muslimbruderschaft, Hizbullah und ich unterstütze die Hamas. (…) Ich bin der ultimative Reaktionär und ich bin entzückt und stolz darauf.“9 Ein Bekenntnis also zu als terroristisch eingestuften Organisationen, die das Leid der ihnen Unterworfenen unablässig perpetuieren. Atzmon geht es also nicht darum, das Leid der Palästinenser zu lindern, sondern einzig um die Delegitimierung Israels.

Ähnlich verquast ist auch die Argumentation des Referenten Alan Hart, der in seinem dreibändigen Werk mit dem sprechenden Titel „Zionism – the real enemy of the jews“ das alte Klischee der Grundverlogenheit des Juden wieder aufwärmt. Nicht zuletzt stecke auch der Mossad hinter dem Anschlag auf die Twin Towers, wie Hart mit wirren Argumenten behauptet.10
Mit Ihrer Beteiligung an einer solchen Veranstaltung würden Sie dazu beitragen, den abstrusen Thesen von Antisemiten und Verschwörungstheoretikern eine scheinbar wissenschaftliche Plattform zu verschaffen. Wir bitten Sie, Ihre Entscheidung noch einmal zu überdenken und verbleiben mit freundlichen Grüßen,

Die Veranstalterinnen und Veranstalter der Thementage
www.thementage.blogsport.de

  1. http://cafepalestinefreiburg.blogspot.com/search?updated-min=2011-03-01T00%3A00%3A00-08%3A00&updatedmax= 2011-04-01T00%3A00%3A00-07%3A00&max-results=3 [zurück]
  2. “We have heard already about comparisons between Israel and Nazi Germany. But I don‘t like these comparisons, because I truly think that Israel is far worse than Nazi Germany. Why do I believe so? Because Israel is a democracy. Nazi Germany was not a democracy; the Reichstag had been dissolved. The Germans had zero responsibility for acts that were committed by Nazis – – apart of course from those who were directly perpetrating a crime, or were politically leading it. However, Israel is a democracy – – and therefore, every citizen is complicit.” http://www.gilad.co.uk/writings/truth-in-stuttgart-1.html?printerFriendly=true [zurück]
  3. “This cartoon, comparing Zionism to the Ku Klux Klan. Indeed a necessary comparison considering the fact that the Jewish state is driven politically and spiritually by racist supremacist ideology.” http://www.gilad.co.uk/writings/gilad-atzmon-jewishpower-is-falling-apart.html?printerFriendly=true [zurück]
  4. “Kosher Oxymoron-Jewish Democracy” http://www.gilad.co.uk/writings/gilad-atzmon-kosher-oxymoron-jewishdemocracy.html?printerFriendly=true [zurück]
  5. “Increasingly, Israel seems to be nothing more than a humongous money laundering haven laundering haven for Jewish oligarchs, swindlers, weapon dealers, organ traffickers, organized crime and blood diamond traders. (…) In fact, in the Jewish state, a few million Jews are serving the darkest possible interests, the fruits of which, are to be enjoyed by just a very few rich villains. (…) Instead of addressing the above relentless greed-driven attempt to grab wealth on the expense of the rest of humanity, we are all focusing on a single territorial conflict, that actually brings to light just one devastating criminal side of the Jewish national project.“ http://www.gilad.co.uk/writings/gilad-atzmon-israeli-economy-for-beginners.html?printerFriendly=true [zurück]
  6. Ebd. [zurück]
  7. “As one may guess, an atomic bomb is not exactly something you use against your next door neighbor. Israel’s nuclear arsenal is not there to deter the Palestinians or the Syrians. The Israeli Bomb is there for us, the Brits, the Turks, the French, the Russians, the Chinese, in short the rest of humanity. Israel’s nuclear arsenal should be realized in reference to Masada (…). The new Israelites have an Armageddon scenario in mind. Their philosophy is pretty simple, from Auschwitz they took the ‘never again’ (like a lamb to the slaughter). From Masada they deduced their survival motto, ‘if we are going down, this time we take everyone with us’.” http://www.gilad.co.uk/writings/jewish-ideology-and-world-peace-by-gilad-atzmon.html?printerFriendly=true [zurück]
  8. “But here is some bad news for Israel and its corrupted elite. It is just a question of time before the Russians, Americans, Africans, Europeans, all of humanity, begin to grasp it all — We are all Palestinians and we all share one enemy.” http://www.gilad.co.uk/writings/gilad-atzmon-israeli-economy-for-beginners.html?printerFriendly=true [zurück]
  9. “And let’s face it from a Marxist point of view I am associated with the most reactionary forces: I support Muslim Brotherhood, Hezbollah, and I support Hamas. What do you want more than that! I am the ultimate reactionary being and I am delighted and proud about it all.” http://www.gilad.co.uk/writings/silvia-cattori-an-interview-with-gilad-atzmon-to-call-aspad.html?printerFriendly=true [zurück]
  10. http://www.youtube.com/watch?v=hmga7FVYbks [zurück]

4/4 und der Bass für Israel

Die Soli-Party steht nun endlich auch:

Party

Nach seinem Vortrag wird Daniel als classless Kulla im Egon54 auflegen … Bei Bedarf erhält er dabei Unterstützung von Björn Harris. Musikalisch bietet Kulla eine breite Palette: von Breakbeat über Electro bis HipHop.

Das Egon 54 findet ihr in der Egonstraße 54 im Stühlinger, gleich beim Bi-Ba-Butzemann um die Ecke. Am Besten kommt ihr vorher auf den Vortrag im Strandcafe und lauft dann mit uns gemeinsam zur Party rüber.

Die Party soll die anderen Veranstaltungen der Thementage mitfinanzieren.

Schlafplatz für die Thementage

Bei Bedarf vermitteln wir euch Übernachtungsmöglichkeiten in Freiburg: Schickt eine Mail an thementage ät riseup.net und sagt mit wievielen Personen ihr kommen wollt und ob ihr privat untergebracht oder an eine Pension/ ein Hotel vermittelt werden wollt.

Wir freuen uns auf euren Besuch!

Falls ihr verhindert seid und die Thementage trotzdem unterstützen wollt, dann würden wir uns sehr über eine Spende freuen. Die Kontodaten findet ihr hier.

Interview

Hier ein Interview zu den „Thementagen gegen Antisemitismus“ und unserer Kritik am Cafe Palestine.

Inerview zu den Thementagen und dem cafe Palestine by thementage