Vortrag zum Mythos „Nakba“

Die Entstehung Israels – Legenden und Wirklichkeit

Nur wenige Stunden nach der Gründung Israels am 14. Mai 1948 – die dem ein knappes halbes Jahr zuvor verabschiedeten Teilungsbeschluss der Vereinten Nationen folgte – erklärten Ägypten, Transjordanien, Syrien, der Libanon und der Irak dem jüdischen Staat den Krieg und griffen ihn an. Das erklärte Ziel der arabischen Allianz war es dabei, Israel mit militärischen Mitteln zu beseitigen, doch den israelischen Streitkräften gelang es, das Land zu verteidigen und die gegnerischen Armeen zu schlagen. Im Zuge dessen, aber auch schon während des vorangegangenen Bürgerkrieges zwischen jüdischen und arabischen Milizen, verließen mehrere hunderttausend palästinensische Araber das Land – teilweise infolge der Kriegshandlungen, vielfach jedoch auch auf Geheiß der arabischen Staaten, die freie Bahn für ihren Angriff haben wollten und eine triumphale Eroberung und Zerstörung Israels ankündigten.

Gleichwohl vertritt die palästinensische Seite bis heute unverrückbar die Position, dass die Gründung des jüdischen Staates eine „Nakba“, also eine Katastrophe gewesen sei – vergleichbar mit dem Holocaust – und dass erst jüdisch-zionistische Milizen und danach die israelische Armee die palästinensischen Araber gezielt und systematisch vertrieben habe. Dieser zählebige Mythos wird auch von den europäischen Sympathisanten der Palästinenser vertreten, wie nicht zuletzt die Ausstellung „Die Nakba – Flucht und Vertreibung der Palästinenser 1948“ zeigt. Diese Ausstellung des Pfullinger „Vereins Flüchtlingskinder im Libanon e.V.“ war bislang deutschlandweit an 70 verschiedenen Orten zu sehen, auch in Freiburg. Sie ergreift Partei für die palästinensische Seite; ihr Ton ist dabei scheinbar sachlich und vermeintlich an den Fakten orientiert. Doch bereits einfache und historisch unstrittige Fakten werden durch Auslassungen und Verdrehungen grob verfälscht.

So erfährt man etwa von dem für die palästinensische Politik überaus wichtigen Großmufti und Nazi-Kollaborateur Hajj Amin el-Husseini genauso wenig etwas wie über die Hintergründe und Ziele des arabischen Angriffs auf Israel. Auch die antisemitischen Pogrome gegen die jüdische Bevölkerung in den 1920er und 1930er Jahren sowie die Aktivitäten arabischer Terrorgruppen finden keine Erwähnung. Darüber hinaus werden Aussagen israelischer Politiker häufig entweder dekontextualisiert oder sinnentstellend wiedergegeben. Insgesamt präsentiert die Ausstellung die Araber respektive Palästinenser durchweg als so unschuldige wie harmlose Opfer einer generalstabsmäßig geplanten zionistischen Aggression. Diese Vorgehensweise folgt der Methode einer in den Gesellschaftswissenschaften höchst populären postmodernen Strömung, die keine historischen Tatsachen mehr kennen will, sondern nur noch gleichberechtigte „Narrative“, also subjektive Erzählungen von „Betroffenen“ ohne Rücksicht auf den Wahrheitsgehalt. Ist dieser Ansatz ganz grundsätzlich mehr als fragwürdig, so führt er in Bezug auf den „Nahostkonflikt“ absichtsvoll zu einer Dämonisierung und Delegitimierung Israels.

Der Vortrag von Alex Feuerherdt wird sich dem Mythos „Nakba“ sowie weiteren Legenden im Zusammenhang mit der Gründung des Staates Israel widmen und prüfen, weshalb sie bis heute gepflegt werden, wie sich demgegenüber die Wirklichkeit darstellt und warum eigentlich niemand ein Rückkehrrecht für die Hunderttausenden Juden fordert, die 1948/49 aus den arabischen Staaten, in denen sie lebten, fliehen mussten.

Zum Referenten: Alex Feuerherdt (42) ist Lektor und freier Publizist. Er lebt in Köln und schreibt schwerpunktmäßig über den Nahen Osten, u.a. für KONKRET, die Jungle World, die Jüdische Allgemeine und den Tagesspiegel.

12.09. Vorderhaus/Fabrik
20.00 Uhr