Drei Audiomitschnitte der Thementage sind verfügbar:
Anfang Oktober erschien auf dem Blog von Clemens Heni http://clemensheni.net ein Eintrag mit dem Titel Von Weimar nach Berlin – Antisemitismus vor Auschwitz und im Jahr 2012. Er und Susanne Wein erheben darin abstruse Vorwürfe. Diese Anschuldigungen stehen in folgendem ohne Auslassungen zitierten Auszug vom neunten Oktober, der sich auf die aktuelle Debatte um die Beschneidung von männlichen Babys und Knaben bezieht: (mehr…)
Die Rebellionen im arabischen Raum dauern an, ihren frühlingshaften Charme haben sie jedoch längst verloren. In den Ländern, die sie zuerst erfassten, wie Tunesien und Ägypten, lassen sich langsam die Konturen neuer Machtverhältnisse erahnen. Ob sie die gehegten Hoffnungen auf gesellschaftlichen Fortschritt auch nur zum Teil erfüllen werden, das ist nun eine entscheidende Frage. Indizien dafür liegen im aktuellen Umgang der arabischen Gesellschaften mit denjenigen ihrer Mitglieder, die innerhalb der bisherigen despotischen Verhältnisse am ärgsten zu leiden hatten: Christen, Homosexuelle, Migranten, andere Minderheiten und nicht zuletzt Frauen. Inwieweit eine Gesellschaft sie vor Unterdrückung und Verfolgung bewahren kann, bestimmt ihren Charakter im Inneren. (mehr…)
Alle Veranstaltungen der Thementage Antisemitismus werden auf Spendenbasis angeboten. Das muss irgendwie finanziert werden. Dafür organisieren wir diese Party und hoffen auf eure Unterstützung.
Freiburger Zustände: Antizionistische und antisemitische Propaganda in der Breisgaumetropole
Mittwoch, 3.10.2012, 20 Uhr
Cafe Velo im Mobile am Hauptbahnhof
Spätestens seit Günther Grass`antiisraelischem Pamphlet kann man in besten Kreisen sich wieder offen antisemitisch äußern, ohne als Antisemit zu gelten: die „ehrbaren Antisemiten“ (Jean Amery), die mit gutem Gewissen das Ende Israels als jüdischem Staat herbeisehnen. Die Eröffnungsveranstaltung widmet sich den Freiburger Vertretern des organisierten Antisemitismus und Antizionismus. In kurzen Vorträgen berichten Jörg Huber über die Agitation des Cafe Palestine und die Partei „Die Linke“ und Moe (autonome Iraner) über den „kulturellen Dialog“ im Rahmen der Städtepartnerschaft Freiburg-Isfahan, der der islamistischen Diktatur im Iran hilft, den Schein von Normalität aufrecht zu erhalten. Anschließend beleuchtet Jochen Bruhn Geschichte und Hintergrund des linken Antisemitismus und Antizionismus. (mehr…)
Der Iran heute: Zur Ideologie einer Diktatur und ihrer Politik in Zeiten der „Arabellions“
Donnerstag, 4.10.2012, 19 Uhr
Universität Freiburg, Peterhof, HS 4
Niemensstr. 10
Die Ideologen der „Islamischen Republik Iran“ verdrehen seit 33 Jahren die historischen Tatsachen. Ihre eigene Diktatur stellen sie als ein Befreiungsmodell für die „Unterdrückten“ dieser Welt und den Westen stellen sie als ein untergehendes System dar. Zudem prophezeien sie stets den Untergang Israels. Sie unterdrücken die eigene Bevölkerung, insbesondere die säkularen iranischen Frauen und die Jugend. Seit dem Beginn der Arabellion, d.h. der Revolten gegen die autoritären alten Diktaturen in der arabischen Welt, deuten die iranischen Machthaber die Islamische Revolution von 1979 als den Anfang und Ende der arabischen Revolten. Sie warnen vor westlicher Einflussnahme in diesen Ländern. Konsequent hat sich die islamistische Diktatur des Iran für eine brutale Machtpolitik auch in Bezug auf die Arabischen Revolten entschieden. Der Iran unterstützt inzwischen offen den syrischen Diktator Assad und setzt seine antiisraelische Politik fort. Nicht nur Präsident Ahmadinejad, sondern auch Ali Khamenei, der iranische Revolutionsführer, leugnet den Holocaust. Konsequent zeigt sich den Iran auch unnachgiebig in Bezug auf sein Atomprogramm, das dem Iran in die Lage versetzt, sich die Option der atomaren Bewaffnung offen zu halten. Wer in den letzten 33 Jahren von einer Reformierbarkeit der totalitären Diktatur ausgegangen ist, muss spätestens heute eingestehen, dass dies nur eine Fiktion ist.
Wahied Wahdat-Hagh hat an der FU Berlin über die „Islamische Repubolik Iran“ als die dritte Spielform des Totalitarismus promoviert. Er ist Fellow an der European Foundation For Democracy. Im Jahr 2012 erschien sein neues Buch beim Peter Lang Verlag: Der islamistische Totalitarismus. Über Antisemitismus, Anti-Bahaismus, Christenverfolgung und geschlechtsspezifische Apartheid in der „Islamischen Republik Iran“.
Freitag, 5.10.2012, 16 Uhr
Forst-Uni, Tennenbacher Str. 4
„Aber es gibt keine Antisemiten mehr“ – heißt es in der „Dialektik der Aufklärung“ von Theodor W. Adorno und Max Horkheimer, denn sich Antisemit zu nennen, hat nicht nur in der Politik zweifelsohne einen werbestrategischen Nachteil. Doch an der inneren Logik des antisemitischen Ressentiments hat sich deswegen noch nichts geändert. (mehr…)
Freitag, 5.10.2012, 20 Uhr
Vorderhaus der FABRIK
Habsburgerstr. 9
Die Rebellionen im arabischen Raum dauern an, ihren frühlingshaften Charme haben sie jedoch längst verloren. In den Ländern, die sie zuerst erfassten, wie Tunesien und Ägypten, lassen sich schon die Konturen neuer Machtverhältnisse erahnen. In Syrien tobt aktuell ein mörderischer und schwer zu durchschauender Konflikt mit offenem Ausgang. Ob Hoffnungen auf einen gesellschaftlichen Fortschritt gerechtfertigt sind, das ist nun eine entscheidende Frage.
Das Verhältnis der betreffenden Staaten zum jüdischen Staat Israel, der sich völlig zu Recht als Garant der vernünftigsten Gesellschaft im Nahen Osten und als Schutzmacht aller verfolgten Juden begreift, ist dabei ein entscheidender Gradmesser. Die Erfahrung zeigt, dass der Hass auf Israel und der Hass auf den relativen Fortschritt und die relative Freiheit, die westliche Demokratien erreichen konnten, eng miteinander zusammenhängen. Schon allein deswegen ist Solidarität mit Israel dringend geboten und eine zentrale Frage lautet: Bekommt Israel neue kooperative Nachbarn oder neue Feinde? (mehr…)
Samstag, 6.10.2012, 16 Uhr
Forst-Uni, Tennenbacher Str. 4
Der Workshop „Sekundärer Antisemitismus: Antisemitismus trotz und wegen Auschwitz“ wird einen Überblick der verwirrenden Welt der AntisemitInnen bieten und ihre gängigen Topoi und Begriffshülsen dechiffrieren. Ein Inputreferat wird kurz skizzieren, was den Antisemitismus kennzeichnet und wie seine Genese vonstatten ging, wie er sich vom historischen Antijudaismus und Rassismus abgrenzt und welche psychischen Verbiegungen im postnazistischen Deutschland vollzogen werden müssen, um nach Auschwitz noch ein ehrbarer Antisemit (Améry) sein zu können. Anhand von Karikaturen, aktuellen Texten und Fotos wollen wir im Anschluss das Gehörte anwenden und diskutieren. (mehr…)
Samstag, 6.10.2012, 20 Uhr
Goldene Krone
Kronenstraße Ecke Mattenstraße
Man könnte den Antisemitismus als eine Tendenz bezeichnen, die Logik und Geschichte der modernen Vergesellschaftung im doppelten Sinne des Wortes entsprungen ist. Weil er sich als rationalisierter Wahn dem Zugriff der Vernunft entzieht, richten weder Argumente noch Appelle etwas gegen ihn aus. Ein politisches Projekt, das Antisemitismus und Antizionismus praktisch entgegentreten will, kann seinem Anspruch deshalb niemals gerecht werden: Es wird keine Mittel finden, um seine Zwecke zu erreichen.
Jan Singer beschreibt am Beispiel einer Kampagne gegen den antizionistischen Musiker Gilad Atzmon in Göttingen, wie und warum gutgemeinte politische Interventionen gegen den Antisemitismus scheitern – und er zeigt, warum sich die Verteidiger der Kritischen Theorie in der Debatte um Judith Butler und den Adorno-Preis besser zurückgehalten hätten. Ein Plädoyer für die Kritik und gegen das Engagement.

